In einer kurzen Brainstorming-Runde hat mich die beste Web-Verhübscherin „wo gibt“, nämlich meine liebe Heike Heininger, zu diesem Artikel inspiriert. Beziehungsweise: Zu einer ganzen Artikel-Serie! In den nächsten Wochen wird es also jede Menge Input und Inspiration dazu geben. Kaum, dass das Stichwort „SELBSTWERT“ feststand, habe ich eine kleine private Umfrage gestartet, mit welchen fünf Stichworten dieses Thema persönlich assoziiert wird. Und dabei ist jede Menge Interessantes herausgekommen.

Zum Beispiel: Innere Ruhe, Ausgeglichenheit, Zufriedenheit, Frieden, Stärke, mit sich selbst im Reinen sein, Selbstreflektion, Selbstbewusst, fokussiert, Selbsterkenntnis. Laut Wikipedia ist die Definition: „Unter Selbstwert (auch: Selbstwertgefühl, Selbstwertschätzung, Selbstachtung) versteht die Psychologie die Bewertung, die man an sich selbst vorgenommen hat.“

Da poltert bei mir schon einiges dagegen, sobald das Wort „Bewertung“ auftaucht, denn als Coach bin ich vor allem eins: Nämlich wertfrei – also ohne Wertung, ob etwas richtig oder falsch ist. Nur so ist auch möglich, dass sich meine Kunden wirklich öffnen können und wollen. Und im Endeffekt auch auf ihre eigenen Lösungen kommen, weil sie die Erfahrung machen dürfen, endlich mal nicht in Schubladen gesteckt zu werden, dass sie nicht falsch / richtig / gut / böse / daneben sind, und entsprechend eben auch mal nicht gleich der innere Zensor mitredet. Und unter anderem bin ich als Privatmensch sehr versucht, so wenig wie möglich zu werten; aber das ist wieder ein ganz anderes Thema.

Aber natürlich sind wir alle nicht ganz wertfrei aufgewachsen oder ohne Werte und Wertungen im Leben unterwegs. Manche gehören unweigerlich dazu. Und ein Wert, der definitiv nicht fehlen sollte, ist Selbstwert.

Leider geht er vielen Menschen verloren. Entweder partiell, also: in bestimmten Situationen, wie z.B. in Gehaltsverhandlungen oder bei Partnerbörsen. Oder phasenweise, wie z.B. bei Arbeitslosigkeit oder nach einer Trennung. Und manchmal scheint der Selbstwert irgendwie dauerhaft im Dispo zu stehen, und wir finden uns für egal was oder wen generell zu dick / zu dünn / zu alt / zu nicht genug / zu unerfahren / zu ängstlich / zu groß / zu klein / zu wenig sexy / zu anders / zu besonders / zu hässlich / zu unsicher… etc.

Gerade wir Frauen sind supergut in superselbstwertdemolierenden Vergleichen

Sich zu vergleichen, ist menschlich – wäre man versucht zu sagen. Aber auch hier gehe ich einen rebellischen Schritt weiter und meine: Nein, diese Sache mit den Vergleichen hat sich erst allmählich eingeschlichen, das war nicht von Anfang an so. Und wir erleben es definitiv auch anders: Denn tagtäglich vergleichen wir uns unbewusst oder werden in den Wertungs-Topf geworfen. Bist du so dünn wie…? Oder bist du so erfolgreich wie….? Können wir uns denselben Urlaub leisten, wie die Nachbarn? Ist dein Kind auch so schlau wie meins? Sehe ich so schön aus wie die da drüben? Habe ich soviel …. wie XYZ? Kann ich mithalten mit …?? Bringe ich soviel Leistung wie Kollege XYZ? Darf meine Kollegin mehr verdienen als ich? Und so weiter.

Kein Wunder, dass wir da nur oft genug einfach nur schlecht abschneiden. Denn es wird immer jemanden geben, der in unserer persönlichen Werte-Skala gefühlt über uns rumturnt, und damit unbewusst als Karotte vor der eigenen Selbstwert-Nase rumbaumelt.

Wenn wir uns ausschließlich darüber definieren, was uns fehlt, kommen wir nicht weit(er)

Stattdessen können wir so viel mehr unser Selbstwert-Konto mit einem fetten Plus versehen, wenn wir uns mal ansehen, was wir schon alles haben, was uns so ganz identisch und persönlich macht, welche Eigenschaften uns auszeichnen, wofür wir stehen, was wir leisten oder nicht mehr zu leisten bereit sind, wozu vielleicht eine vermeintliche Niederlage gut war, usw. Und zwar in allen Bereichen: Beruflich, privat, als Mensch / Frau / Mutter / Tochter / Schwester / Kollegin / Nachbarin / Freundin, etc.

Und damit möchte ich wieder an den Ausgangspunkt zurückkommen: Selbstwert wird gespeist durch Vieles. Und es bringt auch so viel: Frieden, Fokus, innere Ruhe, Selbsterkenntnis, etc.

So können wir z.B. auch dadurch zu einem ganz neuen Selbstwert von uns gelangen, wenn wir uns überleben, welche Muster und Prägungen wir in der Kindheit erlebt haben, welches Feedback wir auf unser So-Sein im Alltag bekommen, welche Werte uns persönlich wichtig erscheinen, was wir von uns selbst glauben. Übrigens: Glaubenssätze spielen dabei oft eine nicht zu unterschätzende Rolle!

Aber Selbstwert ist nicht in Zement gegossen, sondern unter anderem auch ein gelebter oder durchlittener Erfahrungswert. Das heißt: Sogar, wenn wir mit dem miesesten und schlimmsten Selbstwertgefühl durch unsere Kindheit starten „durften“, können wir im Laufe unseres Lebens Momente und Erlebnisse sammeln, die uns viele selbstwertsattmachende Punkte liefern. Selbst, wenn wir gestern noch das Gefühl hatten „Ich kann das nicht / Ich bin das nicht wert!“, wird es immer etwas geben, was als Gegengewicht unsere Selbstwert-Schieflage wieder ins Lot bringen kann.

Uns zu erinnern, dass wir selbst wertvoll sind, ist keine Raketenwissenschaft. Aber ein Weg, der Zeit und Selbst-Liebe braucht. Und Selbst-Erlaubnis.

Manchmal lohnt es sich, genau hinzuhören, wenn die inneren Dialoge in Bezug auf „Selbstwert“ losgehen, und heraus zu finden, ob ein Glaubenssatz uns vielleicht daran hindert, oder wirklich ein angeknackster Selbstwert. Und manchmal braucht es vielleicht auch nur stete, liebevolle und geduldige Erinnerung an uns selbst: Schau mal, was du schon alles kannst / gemacht hast. Erinnere dich, wie viele Situationen du gemeistert hast. Sei geduldig und liebevoll mit und zu Dir — dann sind es auch andere. Erlaube Dir, dass Du selbst auch wert-schätzt, welche vielfältigen Erfahrungen du hast.

Denn diese Selbst-Erlaubnis (neben Geduld und Selbst-Liebe) gibt uns keiner, außer wir selbst. Und wirklich annehmen und integrieren können wir diese Erlaubnis als Ermächtigung meist nur dann,

wenn wir ausreichend „Zertifikate“ dafür gesammelt haben: Beweise, sozusagen, dass wir es wert sind. Was immer dieses „es“ auch ist. Diese Erlaubnis kannst und darfst Du dir übrigens jederzeit selbst geben. Ganz ohne Scheine, Diplome oder andere Beweise. Denn Du hast auch bisher schon ausreichend geleistet. Du bist schon genug. ZWISCHENÜBERSCHRIFT „I am enough“ Wenn Selbstwert für dich also bedeutet, „innere Zufriedenheit, mit dir selbst im Reinen zu sein, Selbstbewusstsein und Stärke“ zu haben, wie das meine Brainstorming-Runde nannte – dann möchte ich Dir anbieten, einmal den Fokus nur auf Dich zu legen. Und dabei können Dir vielleicht die folgenden Fragen helfen, deinem inneren Reichtum an WERTvollen Inhalten etwas näher zu kommen

* Welche Situationen hast Du schon erlebt, die Dir anfangs vielleicht sogar Angst oder Traurigkeit bereitet haben, und die Du trotzdem durchgestanden hast?

* Wofür stehst Du nicht mehr zur Verfügung? Was willst Du nicht mehr in deinem Leben haben, und warum? Welches Erlebnis hat dazu geführt?

* Worin bist Du einzigartig? Was ist deine persönlich empfundene beste Eigenschaft?

* Was kannst Du gut? Was macht Dir Spaß? Wann spürst Du tiefe Freude und Zufriedenheit?

* Wozu hast Du dich verpflichtet, was Du ganz persönlich in deinem Leben als WERT auch wirklich leben möchtest?

* Welche Erlebnisse waren das Allerbeste, das Dir jemals passiert ist?

* Welche Momente sind für Dich deine persönliche Top Ten? Und warum?

* Wann bist Du über dich selbst hinausgewachsen?

* Wer bist Du, außer der Funktion, die Du jeden Tag erfüllst? Und wie bist Du dann?

* Wo und wie kannst Du Vertrauen und Kraft tanken?

* Was brauchst Du, um dich sicher / geborgen / vertrauensvoll ins Leben zu werfen? Und wie oft sorgst Du selbst dafür, vielleicht nur im Kleinen?

* Welche Eigenschaften an Dir selbst gefallen Dir am allerbesten? Und was haben sie schon hervorgebracht?

* Wann fühlst Du dich rundum zufrieden und eins mit Dir und der Welt?

* Was bezeichnest Du als Erfolg in deinem Leben? Was war dein letzter Erfolg? Und wie viele Erfolge zählst Du insgesamt?

* Bei welcher Gelegenheit bist Du zuletzt aus deiner Komfortzone gegangen und dann doch nicht „vom Säbelzahntiger gefressen worden“ oder hast deine schlimmsten Befürchtungen bewahrheitet gesehen?

* Was machst / kannst / bist Du, das Dich stark / sicher / zufrieden / glücklich fühlen lässt?

* Wann war das letzte Mal, dass Du einen hohen Preis für etwas gezahlt hast und welche Erkenntnis hast Du daraus gewonnen?

* Worin hast Du dich weiterentwickelt?

* Wann hast Du bei welcher Gelegenheit eine bewusste Grenze gezogen, um Dich zu schützen?

* In welchen Momenten bist oder warst Du besonders stolz auf Dich?

* Welche Wünsche tragen dich? Welche Träume hast Du dir schon erfüllt?

* Wozu war die letzte schmerzhafte Erkenntnis für Dich gut? Welche Erkenntnis oder welchen Gewinn hast Du daraus gezogen?

* Welche Ansprüche hast Du an dich? Und welche an andere? Ist eine sehr große Kluft dazwischen? Und wenn ja: Warum?

* Wo ist der beste Platz für Dich, um wieder zu Dir zu kommen?

* Wie oft hast Du Neues gesehen / gelesen / gekocht / angefangen / näher verfolgt / ausprobiert, weil Du einfach nur Lust darauf hattest? Und was war das?

* Was hast Du alles schon gelernt / angefangen? Welche Ausbildungen oder Weiterbildungen hast Du absolviert?

* Welches Ergebnis kannst Du dir zuschreiben? Welche Projekte / Wünsche / Ziele / Momente sind durch Dich in die Welt gekommen?

Die Antworten darauf sind weder richtig, noch falsch, weder gut, noch schlecht. Sondern einfach nur deine eigenen. Ein Teil von Dir und deinem So—Sein.