Meine absoluten Favourites im Coaching sind Themen, die das Thema Mindset betreffen. Denn das ist mehr als „Chakka!“, sondern kann tatsächlich ein Turbo in vielen Bereichen sein. Und als Unterpunkt davon wiederum, ist das Aufspüren und Enttarnen von hinderlichen Glaubenssätzen immer wieder ein toller Moment für meine Kunden, aber auch für mich als Coach. Warum? Wenn Kalorien „Die kleinen Tierchen, die nachts kommen und deine Kleider enger nähen“ sind, dann gleichen belastende Glaubenssätze fiesen Viechern, die sich von Hinten anschleichen, unser Mindset enger nähen und damit auch unser Leben limitieren.

Deshalb möchte ich heute ein bisschen den Fokus auf hinderliche Glaubenssätze richten. Denn ja – es gibt nämlich auch förderliche, die fallen nur nicht so häufig auf. Mit positiven oder förderlichen Glaubenssätzen gehen wir nämlich sehr gern durchs Leben und merken es nicht, sondern nehmen es als selbstverständlich hin. Aber wenn ein „negativer“ Glaubenssatz unsere Pläne mal wieder torpediert, dann bemerken wir das sehr schnell. Obwohl daran eventuell nicht nur die Verkettung unglücklicher Umstände beteiligt und „schuld“ sind, sondern eben auch unser Denken und ein bremsendes Muster.

Limitierende Glaubenssätze gehen manchmal mit einem sogenannten „Thema hinter dem Thema“ einher. Ein oft gehörtes Beispiel in der Art ist z.B., „Da kann man nix machen, so ist das halt!“. Da frage ich mich: Ist da tatsächlich null Spielraum reell vorhanden und keinerlei Lösung in Sicht? Oder versteckt dieser Glaubenssatz ein „Puuuh… Ich fühle mich gerade hilflos, weil ich keine Alternative parat habe / Lösungsmöglichkeit sehe“?

Ein anderes Beispiel ist folgender (Glaubens-)Satz: „Es gibt keine guten Männer mehr!“ Dahinter steht nicht unbedingt eine sachlich-fundierte und reelle Wertung der potentiellen Partnerschaftswelt, sondern vielleicht ein: „Ich habe Angst, dass ich keinen Partner auf Augenhöhe mehr finde!“, oder „Was, wenn ich den aktuellen Ansprüchen nicht genüge, und zu klein / dick / alt / etc. bin?!“, und auch denkbar wäre etwas wie „Ich bin schon so oft enttäuscht und verletzt worden und weiß nicht, ob ich nochmal so viel Zeit und Energie in die Suche stecken will!“.

Das Thema dahinter

Eine 40+-Freundin, die sich lange schon als Single-Mom erfolgreich behauptet in Job, Alltag und ansonsten, ist seit einigen Jahren auf Partnersuche. Nachdem sie sich vom Vater ihrer Tochter vor über zehn Jahren trennte, kam (scheinbar) nur noch Testosteron-Restmüll bei ihr an, wenn man ihren Beschreibungen glauben mag. Denn seit Jahren sagt sie: „Da draußen gibt’s keine g’scheiden Kerle mehr!“ Und entsprechend abfällig spricht sie auch von diversen Bekanntschaften, die sie doch noch auf verschiedenen Online-Plattformen macht, weil sie sich trotz „Keine g’scheiden Kerle mehr!“, mal angemeldet hat. Selbst erfüllende Prophezeiung sei Dank, bekommt sie also mit schöner Regelmäßigkeit genau diese Erwartungshaltung in Form von Männern widergespiegelt, von denen „natürlich“ niemals irgendeiner passt. Was mich, ehrlich gesagt, nicht wundert.

Hinter ihrem „Da draußen gibt’s keine g’scheiden Kerle mehr!“ hat sich eine ellenlange Liste versteckt, die aus Enttäuschungen und Ängsten gespeist wird, und gleichzeitig eine hohe Messlatte an Hoffnungen und Wünschen für die Zukunft überspringen muss. Und genau das „holt“ sie sich immer wieder in ihr Leben, weil sie mit ihrem geliebten Kerkermeister, nämlich dem Glaubenssatz „Da draußen gibt’s keine g’scheiden Kerle mehr!“, bereits bestens liiert ist. Da ist anscheinend kein Platz mehr an ihrer Seite für einen Mann, der dem Glaubenssatz den Kehraus macht.

Manchmal können wir von solchen hinderlichen Glaubenssätzen nicht loslassen. Natürlich nicht bewusst, sondern unbewusst. Denn tief drinnen ist das Wissen, dass wir mit so einem negativen Mental-Klotz am Bein, besser fahren. Weil: Das ist uns ja bekannt. Da weiß man, was man hat! Und so wird der Glaubenssatz, samt dahinterliegender Themen, immer weiter durchgefüttert. Es wird nicht genauer hingesehen oder tiefer gegraben, was da eigentlich noch so dranhängt. Und damit auch ein Stück weit das Selbstbild aufrechterhalten, damit die eigene Realität nicht einstürzt.

Denn das ist wichtig zu wissen bei Glaubenssätzen: Natürlich kann man sich für einen hinderlichen Glaubenssatz ganz schnell eine positive Affirmation basteln. Aber das ist so ähnlich, als würde ich bei einer Brücke einen maroden Pfeiler einfach so herausreißen, ohne, dass dafür ein anderer, stabiler parallel eingesetzt wird; denn der marode hat immerhin trotzdem noch irgendwie gehalten.

Es würde in dem Beispiel meiner Freundin also keinen Sinn machen, einfach das „Da draußen gibt’s keine g’scheiden Kerle mehr!“ durch ein wohlmeinend affirmiertes „Ich verdiene die Liebe meines Lebens!“ zu ersetzen. Damit wird das Fundament nicht berücksichtigt, die Ursache nicht behoben, aber weiterhin – erfolglos – gehofft, damit alles Hinderliche aus dem Weg geräumt zu haben.

Ein anderer Glaubenssatz, den wir alle sehr gut kennen, weil er in westlichen Kulturen weit verbreitet ist, lautet: „Ich muss perfekt sein!“. Die Abwandlungen davon könnten ungefähr so heißen: Ich darf keinen Fehler machen. Ich muss das gut machen. Etc. Und auch dahinter steckt mehr, als nur der Wunsch, dass ich eine gute Arbeit liefere oder etwas zufriedenstellend löse. Wenn so ein Glaubenssatz aus dem Elternhaus / der Kindheit kommt, und mich dreißig oder vierzig Jahre lang intensiv genug begleitet hat, werde ich aus seinen unguten Konsequenzen nicht ohne Weiteres die Kehrtwende machen können: Vielleicht ist erst ein Burnout nötig, eine Depression, eine Partnerschaftskrise, die Kündigung, Probleme mit den eigenen Kindern, etc.

Um jedoch einen hinderlichen Glaubenssatz wirklich nachhaltig und zufriedenstellend zu lösen, damit er mich zukünftig unterstützt und nährt, statt weiterhin behindert oder krankmacht, braucht es mehr, als nur eine positive Gegenteil-Aussage.

Positive Gegen-Affirmation allein hilft nicht

Alle Glaubenssätze entstehen nicht „einfach so“, sondern weil sie einen guten Grund hatten – vor allem die hinderlichen! Vielleicht als Schutzfunktion, vielleicht als Lösungsstrategie, aber sie haben ihren Job erfüllt und die Gefahr von damals ferngehalten. Dass sie jetzt nicht mehr passen oder richtig sind, ploppt oft erst dann wieder im Bewusstsein auf, wenn man eine entsprechende Situation erlebt und ein Zeitfenster erwischt, in dem auch die Psyche bereit ist, genauer hinzusehen.

Das Thema hinter dem Thema selbst anzugehen, ist nicht unbedingt im Coaching angebracht, je nachdem, welches Thema berührt wird. Das kann im individuellen Fall entschieden werden und bei einem Psychotherapeuten weiterverfolgt werden. Ein verantwortungsvoller Coach weiß, wo seine Grenzen sind und wird Dir jederzeit eine entsprechende Rückmeldung geben.

Im Coaching schaut man sich an diesem Punkt an: In welcher aktuellen Situation taucht der Glaubenssatz auf? Welches momentane Ziel torpediert er? Und vor allem: Wie kann das vom Kunden selbst umgesetzt werden? Was ist zu finden und aktivieren, das eine individuelle Lösung im gewünschten Rahmen möglich macht?

Den eigenen Glaubenssätzen ein bisschen auf die Schliche kommen

Der erste Schritt zur Lösung ist: In welchem Bereich tummeln sich überhaupt meine Glaubenssätze? Das können gute / förderliche sein, die unterstützen und stärken. Und auch solche, die nicht förderlich sind: Limitierende, hinderliche, sehr hemmende; also alle, die nicht guttun.

Folgende Übung kannst Du selbst ausprobieren, um eventuell versteckten Glaubenssätzen (förderlichen wie hinderlichen gleichermaßen!) ein bisschen auf die Spur zu kommen:

* Welches Thema / welche Herausforderung beschäftigt Dich aktuell?

* Nimm‘ ein großes Blatt Papier (am besten DIN A3) und schreibe das Grundthema auf, das den Kern trifft. Zum Beispiel: Wenn du aktuell in Gehaltsverhandlungen steckst, aber nicht weißt, ob Du deine Wunsch-Summe verlangen kannst, ist vielleicht das Grundthema „Geld“ oder auch „Wert“. Oder: Wenn Du aktuell auf Partnersuche bist, ist das Grundthema „Liebe“ oder vielleicht „Selbstwert“, und auch „Nähe“ oder „Freiheit“ sind denkbar. Vielleicht stehst Du aber auch gerade vor einer großen Entscheidung und sagst „Wenn ich will, schaffe ich das!“, und aus deinem Umfeld kommen kritische Beiträge à la „Sei doch nicht so ein Träumer!“ oder „Das wird kein Spaziergang!“. Dann ist das Grundthema vielleicht „Motivation“ oder „Ziele erreichen“ oder auch „Unterstützung bekommen“.

* Wenn Du dein Grundthema gefunden hast, notiere zuerst alles, was Dir dazu an „ungeschrie-benen Gesetzen“ und Gedanken durch den Kopf geht. Einfach alles aufs Papier fließen lassen, ohne innere Zensur oder Korrektur! Zum Beispiel: „Geld muss man sich schwer verdienen“, „Es wird einem nix geschenkt im Leben“, „Ich kann alles erreichen, was ich mir vornehme!“, „Scheitern ist nicht schlimm, aber liegenbleiben!“, „Ich werde nie reich werden“, „Alle guten Männer sind schon vergeben“, „Liebe ist immer anstrengend“, „Ich habe nur Unglück mit Männern“, „Kinder soll man nicht verwöhnen“, „Das Leben ist kein Ponyhof“, „Wenn das jeder machen würde“, „Ich bin nicht gut genug für den Job / als Mutter / für diesen Mann“, „Ich bin es nicht wert / zu anspruchsvoll / zu naiv“, „Allein schaffe ich das nicht“, „Ich bin zu dumm für ….“, „Ich bin nichts Besonderes“, „Das macht man nicht!“, „“, etc.

* Wenn Du solange geschrieben hast, bis gefühlt alles aus Dir auf dem Papier ist, mach‘ eine Pause. Leg‘ das Blatt weg, hol‘ dir einen Kaffee – Hauptsache, wieder raus aus dem Thema!

* Nach ca. 30 – 60 Minuten hol‘ das Blatt mit deinen Notizen wieder: Was fällt Dir auf? Welcher Satz geht spontan in Resonanz bei dir (egal, ob negativ oder positiv)? Was löst dieser Satz bei Dir aus? Und vielleicht kannst du auch schon sagen, warum?

Was steckt vielleicht dahinter? Welcher Gedanke überrascht dich selbst? Was war dir eventuell nicht bewusst oder klar? Woher könnte der Gedanke oder der Glaubenssatz kommen? Wer aus deiner Familie / dem Freundeskreis sagt vielleicht tatsächlich diesen oder einen ähnlichen Satz? Aus welchem Zeitraum deines Lebens „stammt“ er? Trifft er noch zu?

Die Antworten darauf sind weder richtig, noch falsch, weder gut, noch schlecht. Sondern einfach nur deine eigenen. Ein Teil von Dir und deinem So—Sein.