... und plötzlich ist es nicht mehr spannend, sondern nur noch anstrengend und anders!

 

Es ist interessant, wie sehr sich unser Leben von einem früheren „Oh, wie spannend!“, zu einem späteren „Ach, es ist einfach nur noch anstrengend!“ wandeln kann.

 

Wir lernen als Kleinkind die Welt kennen, wollen ausprobieren und machen weiter – bis wir laufen / essen / sprechen können.
Wir erweitern als Schulkind unser Wissen täglich und bewegen uns in neuen sozialen Systemen.
Wir  entdecken als Teenie die Hormone, unseren Körper (die der anderen... ) und die Liebe, und was das alles mit uns macht.
Wir entfalten uns als junger Erwachsener beruflich und privat, prüfen und vergrößern unser Know-How;
wir strecken unsere Fühler aus in fremde Länder und Kulturen, wir gehen hinaus ins Leben und endgültig raus aus den Kinderschuhen.
Wir klettern die Karriereleiter hinauf.
Wir gründen eine Familie.
Wir finden unser Zuhause.
Wir planen die Altersvorsorge.

Und irgendwann, Anfang – Mitte – Ende 40, stellen wir fest:
Das, was als Reise ins Leben hinein begonnen hat und sich überwiegend spannend zeigte, wird anders.

Wir bekommen die Kündigung – im Job oder privat – und werden liebes- oder arbeitslos.
Wir werden geplagt von Krankheiten oder müssen einen Todesfall verarbeiten.
Wir sind konfrontiert mit Veränderungen.

 

Von der Aktiv- in die Passivform wechselnd – nicht nur grammatikalisch

 

Und dann ist es nicht mehr spannend, sondern nur noch anstrengend oder anders.
Von der Aktiv- in die Passivform wechselnd, entpuppt sich das Leben – nicht nur grammatikalisch -  für uns dann zunehmend als scheinbar tatsächlich gelebte „Leidens-Form“.

Keine selbstgewählten und von sich aus angestrebten Schritte mehr, sondern scheinbar zunehmend ungefragt (und ungewollt) von außen auf uns niederprasselnde Umbrüche, Wackelnummern, Unzufriedenheiten, Krisen.

 

Zeitgleich rüttelt vielleicht – mal mehr, mal weniger – das bis dato ungelebte Leben in unserem Inneren, rebelliert gegen bisheriges Leben inkl. Normen und Routinen, Vorstellungen und sichergeglaubten Sicherheiten.
Entweder macht sich dann – mal mehr, mal weniger – eine saftige Midlife-Crisis breit, oder aber, ein Blick zurück sagt:
„Nein, eigentlich hab‘ ich alles richtig gemacht. Warum bin ich dann so rastlos / unzufrieden / traurig / wütend?“.

 

Und manchmal spüren wir selbst gar nichts in der Art, aber es kommt ein geballtes Package an Veränderung mit einem Knall auf uns zu: Kündigung, Scheidung, Umzug, Kinder aus dem Haus.
Aua....

 

Gehen dem Leben Ü40 die Ziele aus???

 

Was ist da passiert?
Nichts dramatisches. Eigentlich…

Natürlich tut es weh, war nicht geplant, wirft das alte Lebenskonzept über den Haufen und wir sind durch den Wind.

 

Aber uneigentlich sind wir nur am Ende einer Strecke angekommen, die uns – geprägt durch unsere Kultur und Gesellschaft – als der Teil unseres Lebens verkauft wurde, der spannend ist, weil sich da was tut, auf dem Stück Weg, weil es was zu entdecken gibt. Schritte, die akzeptiert und bekannt sind.
Uns wird vorgelebt, dass all die Schritte lohnenswert sind, dass das aktiv selbst gestaltet werden kann.

 

So oder so ist all das aber dann eben kein freudiges „sich entwickeln“ mehr oder ein ersehntes „entdecken“, sondern einfach nur komplett anders als das Leben, wie wir es bisher kannten und gelebt haben. Und ‚anders‘ ist dann oft genug auch anstrengend.
Ab 40 gehen da anscheinend dem Leben (oder der Gesellschaft?) die Schritte und Ziele aus. Und zugleich die Vorbilder für gelungene und aktiv genutzte Veränderungsmomente in unserer Vita.

 

Aus dem „hinein wachsen ins Leben“ wurde „ein Problem“, eine „schwierige Zeit“ oder gar gleich eine „fette Krise“. Die großen Schritte sind vielleicht gemacht, die großen Fragen geklärt.
Zumindest die, die „alle“ machen. Und alles andere, was danach kommt, kann ja nur Krise, Umbruch, Problem sein. Wirklich?

 

Uns fallen tausend Fragen ein, die alle mit W beginnen: Warum? Wieso? Wann? Wer? Was?.
Nur die Antworten lassen auf sich warten.

 

WOZU?

Eine der wichtigsten W-Fragen allerdings, die stellen wir uns viel zu wenig in solchen Zeiten:
WOZU?

Wozu kann es gut sein, dass wir uns jetzt trennen?
Wozu verhilft es mir, dass ich jetzt gekündigt wurde?
Wozu dient mir diese Grund-Unzufriedenheit, was steckt dahinter?
Wozu habe ich eigentlich all die Jahre soviel gelernt / gelebt / gemacht / …?

 

„Warum“ ist immer problemorientiert und rückwärtsgewandt.
„Wozu“ ist lösungsorientiert und geht nach vorne.

Und genau da können wir nicht nur hin, nein – wir sollen es sogar!

 

Denn ab Anfang – Mitte – Ende 40 ist das Leben ganz und gar nicht vorbei oder ziellos.

 

Dass „Krise als Chance“ erkannt wird und auch so genutzt werden kann, ist ja schon bekannt.
Wir vergessen es einfach nur, wenn wir mittendrin stecken – meist unfreiwillig – und mit etwas zurechtkommen, „kämpfen“ müssen, was wir (noch) nicht auf dem Schirm hatten.

 

Eine Trennung bedeutet nicht mehr das gesellschaftliche Aus, sondern eröffnet neue Möglichkeiten, vielleicht auch Freiheiten.
Eine Kündigung kann ein Startschuss für einen langgehegten Traum sein und (alte) berufliche Träume wiederbeleben.
Eine Krankheit ist vielleicht der Auszeit-Blocker, Rückzugs-Chance oder Weckruf zur Neu-Orientierung.
Ein Umzug birgt das Potential, dass wir neue Freunde finden, andere Hobbies entdecken, uns ein neues Leben von Grund auf nach unseren Wünschen aufbauen.

 

„Warum?“ wissen zu wollen, hilft zu verstehen, aber es kreist (zu)  sehr um das, was schiefgelaufen ist und zeigt uns keine neuen Wege auf.
„Wozu?“ zu fragen, heißt auch, dass wir uns beschäftigen mit dem „weg von… und hin zu…“.

Mitten in der Veränderung zu stecken, darf mit Schrecken, Trauer, Wut, Ohnmacht, Orientierungslosigkeit und manchmal auch einem Anflug von Zweifel und Verzweiflung gefragt werden.

 

"Zurück ist keine Richtung!"

 

Aber dann dürfen wir wieder nach Vorne schauen – was nur geht, wenn wir den Kopf heben und nicht, den Blick senken.
„Zurück ist keine Richtung“, sagte Andrea Sawatzki in ihrer Rolle als „Bella“: Darin spielt sie eine Frau, die, Anfang – Mitte – Ende 40, ihr Leben aufgrund eines Seitensprungs ihres Mannes zuerst neu sortieren „muss“, aber dann entdeckt, dass sie es tatsächlich auch selbst will.

 

Wenn „Zurück“ keine Richtung ist, dann bleibt ja nur noch eine übrig.
Und die ist sowieso die Beste, egal in welchem Alter: Nach Vorne, auf zu neuen Ufern!

 

 

Photo by Pedro Sandrini from Pexels

 

Photo by Artem Bali from Pexels

 

 


Übrigens: Jeweils am 27. + 28. April 2019 und am 29. + 30.06.2019 findet ein Workshop statt, der sich genau dem Thema widmet: „Veränderungen gelingen lassen und selbst gestalten“.
Mehr Infos dazu hier.
Anmeldungen an angela@angelaklein.de

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Flyer Workshops 2019 Angela Klein
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