Wie Du nur mit täglich zehn Minuten eine perfekte glückliche Beziehung hast

 

 

Wow, oder? Was für ein Versprechen!
Nur zehn Minuten jeden Tag, und deine Beziehung läuft. Zack – alles gut. Herrlich!

Wenn du diesen – zugegeben – verführerisch betitelten Artikel liest, hast du entweder gerade nicht die perfekte glückliche Beziehung und bist auf der Suche nach dem Zaubermittel. Oder aber, Du hast diesen Teaser gelesen und dir gedacht: What the hell…Was soll das?!?

Also – wie ist das nun gemeint, diese Zehn-Minuten-Zack-Glückliche-Beziehungs-Sache?

 

„In nur vier Wochen zehn Kilo abnehmen“, „Mit drei Klicks den perfekten Garten planen“, „Optimale Stellenangebote mit nur zehn Fragen finden“, „Wie du in nur sechs Wochen dein fünfstelliges Umsatzziel erreichst“ und so weiter.
Sowas scheint uns ziemlich anzusprechen. Warum ist das so?

Wagen wir einen kleinen Seitenblick auf unseren Alltag, denn der liefert erste Antworten, wieso wir auf solche Methodik anspringen.
Nehmen wir zum Beispiel den Job: Immerhin sind wir es in dem Bereich mehr als gewohnt, optimiert zu werden: Zeitmanagement, Selbstmanagement, Stressmanagement, Burn-Out-Prävention, Verkaufszahlen, Vertriebsqouten, etc.
Auch im Privatleben macht das nicht mehr halt, denn hier wird ebenfalls der Druck erhöht – Social Media sei Dank -, der gleichzeitig klarmacht, wie die Erwartungshaltung an uns aussieht: Wo warst du, was hast du angehabt, mit wem hast du dich getroffen, was habt ihr gegessen, etc. „Dein ideales Workout mit nur zehn Minuten täglich!“, „Ein vollwertiges Abendessen aus nur drei Zutaten“, „Für jeden Anlass mit bloß 5 Klamotten stylish angezogen“, „Sprachen perfekt lernen in drei Wochen“, „Den unvergesslichsten Kindergeburtstag mit nur drei Checklisten organisieren“, „Wie du deine negativen Glaubenssätze in nur vier Schritten auflöst“, usw.

 

Kurzum: Wir bekommen den Eindruck vermittelt, alles ist im optimalen oder idealen Zustand zu bekommen, erleben, realisieren – und zwar innerhalb kürzester Zeit. Wenn wir nur wollen. Und die richtigen Tricks kennen.
Und wenn wir das dann nicht schaffen, in drei Minuten, vier Wochen, zwei Tagen, mit drei Zutaten unsere perfekte Figur, das stylishe Outfit, viel Geld, richtige Glaubenssätze und den super Job zu haben  - also, dann liegt das nicht an der Methode, sondern muss unser Fehler und Versagen sein, richtig?

Nein – nicht richtig. Sondern totaler Bullshit.
Daher habe ich auch meinen provokativen Titel bewusst so gewählt. Denn inzwischen sind wir leider schon so Optimierungs-Palaver durchgespült, dass wir aufpassen sollten, nicht jeden Lebensbereich damit zu „bewerkstelligen“.
Lebendige Beziehungen (nicht: perfekte!) brauchen nämlich vor allem Zuwendung, Kommunikation, gemeinsame Interessen und Erlebnisse, gemeinsame Werte, manchmal auch getrennte Schlafzimmer. Aber vor allem brauchen sie immer eins: Zeit!

 

Zeit, um herauszufinden: Haben wir überhaupt gemeinsame Interessen und Werte?
Das ist natürlich vor allem zu Beginn einer Beziehung so, egal ob mit der Nachbarin oder der Kollegin oder der besten Freundin to be  oder dem / der Zukünftigen.

Dann brauchen Beziehungen im weiteren auch Zeit, um die gemeinsamen Interessen und Hobbies und Werte zu leben. Und in dieser Zeit lernt man sich dann erst kennen: Man weiß irgendwann um die Macken und Stärken, die Eigenheiten und Sonderbarkeiten; man kennt Angewohnheiten und Vorlieben, Abneigungen und die berühmt-berüchtigten „Zahnpastatuben“ oder andere alarmauslösende Momente.

 

Zeit, die sich nicht einfach praktisch zusammenklappen läßt, sondern Zeit, die einfach sein muss, um Qualität, statt Quantität zu bekommen. Zeit will sich entfalten. Und dann sind es Prozesse und keine Zack-Zack-Methoden, die kurzfristig greifen. Und nachhaltig!

Gerade unsere engsten Freundschaften oder Liebesbeziehungen rächen sich, wenn wir zu wenig Zeit miteinander verbringen: Wenn die beste Freundin zum dritten Mal in Folge wegen des dringenden Auftrags versetzt werden „muss“, wenn der/die Liebste nach ein paar Monaten keine Komplimente mehr bekommt, weil „Ach, laß mich bitte, ich bin so fertig“. Wenn wir keine Zweisamkeiten mehr erleben und keine Zeit mehr investieren in die Menschen, die uns nahestehen (sollten).

 

Insofern möchte ich hier doch noch ein paar Tipps geben „Wie Du nur mit täglich zehn Minuten eine perfekte glückliche Beziehung hast“:
* Überlege dir jeden Tag fünf Minuten lang, wofür du deinem Partner dankbar bist und sage es ihm in den anschließenden restlichen fünf Minuten.

* Nimm dir jeden Tag zehn Minuten Zeit, einen kleinen Brief morgens für deinen Partner zu schreiben: Wünsche ihm einen schönen Tag oder sage ihm, wie stolz du auf ihn/sie bist oder entschuldige dich für den blöden Streit oder mach‘ eine spontane Einladung zu einem Date am Abend.

* Gebt euch täglich zehn Minuten, wenn ihr nach Hause kommt, in denen Ihr nicht zuerst darüber sprecht, wie der Tag war und was alles scheiße gelaufen ist – sondern schenkt euch diese zehn Minuten in wortlosem, hemmungslosem, tabulosem Hingeben an den Moment, an Euch!
Lächelt einander an, erzählt euch dreckige Witze, schneidet Grimassen, erfindet total alberne Kosenamen, singt Euch den Einkaufszettel vor, benehmt euch als würdet Ihr euch das erste Mal sehen, verfasst Liebeserklärungen mit Worten, die alle nur mit „B“ anfangen dürfen oder macht eine Kissenschlacht!

 

Zehn Minuten täglich, in denen der Fokus nur darauf liegt, was wirklich das Wichtigste in einer Beziehung ist: Ihr zwei.