Welche Werte sind wichtig für die Beziehung? Ein Gedankenanschubser

In diesem Artikel habe ich kurz angeschnitten, was Werte für eine Beziehung bedeuten können.
In vielen Gesprächen mit den Paaren, die ich zu ihrer freien Trauung begleiten durfte und darf, haben sich einige immer wiederkehrende Werte als eine Art Basis herausgestellt, die den Paaren das Gefühl gibt, damit auch ihre Beziehung tragfähig und aktiv zu gestalten. Und somit auch (was für ein schreckliches Wort) „Beziehungsarbeit“ zu leben.

Und diese Werte wurden immer wieder genannt:
Kommunikation – Gemeinsame Interessen / Hobbies – Ähnliche Ziele / Wünsche -  Guter gemeinsamer Sex – Vertrauen und Verlässlichkeit --  Humor.

 

Mit dieser kleinen Artikelserie möchte ich nun ein paar weitere Gedankenanschubser zu diesen Werten geben.
Vielleicht ist ja das ein oder andere dabei, das Euch anspricht und motiviert, das Thema auch mal (wieder) in Eurer Beziehung anzugehen?

 

Heute geht es um KOMMUNIKATION und GEMEINSAME INTERESSEN / HOBBIES


KOMMUNIKATION
Ich habe einen sehr schönen Satz  gelesen, der sinngemäß aussagt:
Die meisten Menschen nutzen Kommunikation nicht, um den anderen zu verstehen, sondern um Gegenargumente zu sammeln.

 

Und tatsächlich ist Kommunikation ein Beziehungsturbo, leider aber auch manchmal ein Beziehungskiller No. 1: Oft wird aus dem anfänglichen nächtelangen gemeinsamen Reden, ein schleichendes aber giftiges Nebeneinanderher-Schweigen. Bis man sich am Ende – bildlich und wortwörtlich – nichts mehr zu sagen hat.

 

Kommunikation in Beziehungen ist nämlich nicht nur Terminkalender vergleichen und absprechen, sondern auch ein ehrliches „Wie geht’s dir? Was belastet dich? Wie war dein Tag?“.
Da sammelt man Bonuspunkte dank aktivem Zuhören, statt Gegenargumente sammeln.
Kommunikation ist ebenso auch eine kurze Nachricht, ein überraschender Brief mit „Ich liebe dich!“ in der Tasche des anderen versteckt oder auch ein aufrichtiges Kompliment (hallo Männer … nur mal als Reminder: Frauen liiiieben Komplimente!--- aber auch hallo Frauen! Wann habt Ihr Eurem Mann das letzte Mal gesagt, dass er toll aussieht / etwas gut gemacht hat / Ihr glücklich seid über sein Lächeln / er den Abwasch toll hinkriegt / seine Kochkünste phänomenal sind / ihr immer noch und gerne Sex mit ausschließlich ihm habt / niemand so toll das Kind bespaßt wie er / etc.).

 

Aber neben Komplimenten gibt es ja auch noch andere Kommunikationstierchen: Zum Beispiel die bösen kleinen Streitpunkte (um mal gleich ins andere Extrem zu wechseln).

 

Oft sind es interessanterweise nämlich die „Zahnpastatuben-Themen“, die im Alltag kleinere Stolperstellen in der Kommunikation basteln, und gar nicht immer und nur die großen Knaller à la Grundsatzdiskussionen.

 

Wie sieht es in eurer KOMMUNIKATION bei streitbaren Themen aus?
Was sind die großen Knaller oder die Zahnpastatuben in eurer Kommunikation?
Formuliert Ihr die vielgelobten „Ich-Botschaften“? Übt Ihr euch im sogenannten „aktiven Zuhören“? Oder haut Ihr in einem wilden Stechen einfach aufeinander los?
Wie sprecht Ihr wichtige, aber ungeliebte Themen an?  Äußert Ihr eure persönlichen Bedürfnisse auch so, dass der andere sie versteht? Oder streitet ihr miteinander, aber leider umeinander herum, ohne, dass ihr am Ende Resultate habt, die Euch weiterbringen in der Sache?

 

Oder aber setzt Ihr Euch immer wieder bei gewissen Themen regelmäßig auseinander --- und hoffentlich wieder zusammen? Sprich: Gibt es irgendwann Konsens?
Habt Ihr aber vielleicht auch schon aufgegeben und es geht einfach nur noch darum, wer recht hat? Sammelt Ihr mehr „Gegenargumente“ oder geht es Euch auch darum, den anderen zu verstehen?

 

 

 

GEMEINSAME INTERESSEN

 

Wenn ich meinen Paaren diese Frage stelle, welche Interessen oder Hobbies sie gemeinsam haben, bekomme ich viele unterschiedliche Antworten.
Manche gammeln tatsächlich nur noch vor dem abendlichen  Fernsehprogramm, andere leben einige gemeinsame Hobbies und haben auch Interessen, die sie getrennt voneinander pflegen. Und nur ganz wenigen sehe ich an, dass sie mit der Frage wenig anfangen können ---- und deshalb auch in ein paar Jahren entweder eine heftige Krise als Paar durchmachen oder jetzt lieber schon mal die Kurve kriegen, indem sie sich auf den Weg machen.

 

Interessen oder Hobbies, die zusammen erlebt werden, tragen nicht nur zu einem abwechslungsreichen Leben als Paar bei, sondern sind auch genau deshalb ein „Kitt“, der das Wir-Gefühl stärken kann. Und das ist– unter anderem – ja auch dafür verantwortlich, das mal heftigere Zeiten überstanden und gemeistert werden.
Natürlich soll es Paare geben, die nichts gemeinsam unternehmen (außer Terminabsprachen, essen, fernsehen, Kindererziehung, Alltagsbewältigung), aber jeder für sich seinem Hobby nachgeht – und trotzdem sind sie glücklich miteinander, weil sie sich das als Freiräume zugestehen, in denen sich jeder von ihnen alleine austoben, beweisen und Bestätigung holen kann.
Solange jedes Paar für sich die Freizeitgestaltung oder Interessen so gemeinsam als gut erachtet und lebt, wird es auch keine Schwierigkeiten geben.
Schwierig wird es erst, wenn sich der Sportmuffel als Kunstliebhaber einem snowboardenden, radfahrenden und theaterdesinteressierten Partner unterordnen soll, oder aber, wenn unterschiedliche Hobbies vom Partner nicht mehr länger als persönlicher Freiraum akzeptiert werden.

 

Wie ist es bei Euch?
Geht Ihr gerne zusammen essen, ins Kino, zum wandern? Und habt dann noch außerdem euren Jungs-Stammtisch und die Mädelsabende oder Wellnessurlaube mit Schwestern?
Seid Ihr zusammen und gemeinsam (immer noch) auf der Suche nach spannenden Dingen für Eure Freizeit? Oder ist der Alltag so groß / zu viel, dass Ihr lieber nur noch schweigend nebeneinander bis Mitternacht das Fernsehprogramm durchzappt?
So banal es klingt, aber: Wäre es dann nicht mal einen Abend lang wert, sich hinzusetzen und zu überlegen: Was können wir aktiv und regelmäßig gemeinsam unternehmen?
Gibt es vielleicht eine Sportart für uns? Tun es auch Theater- und Konzertbesuche? Oder ein Wochenende in der Schwitzhütte oder auf der Alm? Könnte man sich einen Schrebergarten anschaffen? Oder endlich den Tanzkurs machen?

 

Für Eltern als Paar ist es tatsächlich schwierig, sich gemeinsame Frei-Zeit vom Erzieherdasein zu gönnen, und statt dessen bewusst und ausschließlich auf die Paar-Ebene zu switchen, da sich gerade mit Babies der Alltag einfach automatisch erstmal nur auf den / die kleinen Menschen konzentriert.

 

Aber gerade dann ist es wichtig, sich Auszeiten zu nehmen als Paar, und etwas zu unternehmen, was nur mit Euch zu tun hat (und wenn es nur dazu gut ist, nicht vorzeitig und ausschließlich in die „Wir zappen uns bis Mitternacht“-Falle zu kommen). Und sei es nur, alle 14 Tage gemeinsam essen zu gehen (ohne Kinder) oder einmal im Monat ins Kino / zum Wandern / zu Freunden / in eine Bar / etc.
Oftmals kann man nämlich mit kleinen Auszeiten (z.B. ein wöchentliches Kaffee-Date mal nicht zuhause) und der Investition in einen beständigen und guten Babysitter schon richtig große Romantik-Sprünge machen…

 

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